Gewalt gegen Rettungskräfte in der Silvesternacht

Das Bild zeigt eine Übung einer Freiwilligen Feuerwehr

Foto: Wolgang Bellwinkel/DGUV

05.01.2023

 

„Die Berichte über Angriffe auf Rettungskräfte und Feuerwehrleute zu Silvester schockieren. Die gesetzliche Unfallversicherung ist der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit verpflichtet. Es darf nicht sein, dass Menschen, die anderen zu Hilfe eilen, um ihre eigene Sicherheit und Gesundheit fürchten müssen“, so Dr. Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in einem Statement zu den Gewaltvorfällen im Umfeld der Silvesterfeiern.

Die gesetzliche Unfallversicherung bietet bei der Erarbeitung von Konzepten zur Gewaltprävention ihre Hilfe und Expertise an. Die Unfallkassen, darunter vier Feuerwehr-Unfallkassen, und die Berufsgenossenschaften versichern rund 1,5 Millionen Einsatzkräfte der Feuerwehren und Hilfeleistungs-organisationen in Deutschland. Der weit überwiegende Teil der Versicherten ist ehrenamtlich tätig. Der Versicherungsschutz umfasst unter anderem Unfälle im Einsatz. Hierzu zählen auch körperliche Verletzungen und posttraumatische Belastungsstörungen in Folge von Gewalt.

Die Unfallkasse NRW hat sich des Themas angenommen, um insbesondere präventiv tätig zu sein.

So wurde im Jahr 2017 eine Studie zu Gewalt gegen Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungsdienste als Erweiterung einer ersten Studie aus dem Jahr 2011 an die Kriminologen Prof. Dr. Thomas Feltes und Marvin Weigert vom Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizei-wissenschaft der Ruhruniversität Bochum in Auftrag gegeben. Rund 4.500 Einsatzkräfte wurden befragt. Als Ergebnis der Studie zeigte sich, dass Einsatzkräfte im Rettungsdienst wie Notärzte, Notfallsanitäter und Rettungsassistenten ein größeres Risiko haben, Opfer solcher Übergriffe zu werden als Einsatzkräfte im Brandeinsatz. Drei Viertel der Feuerwehren waren nicht unvorbereitet (Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung zum Thema Gewalt). Fortbildungen zu Kommunikations- und Deeskalationstechniken wurden von zwei Dritteln der Angehörigen der Feuerwehren durchgeführt. Die große Mehrheit der befragten Feuerwehren hat Zugang zu Teams zur psychosozialen Unterstützung (PSU-Team), um das Entstehen einer möglichen Traumatisierung nach einem Übergriff minimieren zu können.

Das Innenministerium NRW, das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, die Gewerkschaft Komba, der Verband der Feuerwehren in NRW, der Städtetag NRW, der Landkreistag NRW, der Städte- und Gemeindebund NRW und die Unfallkasse NRW haben einen Aktionsplan „Gemeinsam gegen Gewalt“ für die Laufzeit September 2019 bis September 2022 erstellt. Das IT-gestützte „Innovative Melde- und Erfassungssystem Gewaltübergriffe (IMEG)“ für Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und der Feuerwehr ist ein bedeutender Bestandteil des Aktionsplanes. Es liegt seit 2022 vor und wird derzeit in einer Pilotphase von 12 Kreisen und kreisfreien Städten getestet. Körperliche Angriffe, verbale und non-verbale Übergriffe sowie Sachbeschädigungen sollen künftig online und plattformunabhängig durch die Einsatzkräfte gemeldet werden können.